JCM 2017, Vallendar

Für mich ist JCM ein Ankommen bei Freunden und zugleich ein Wagnis zu neuen Begegnungen und Erkenntnissen. Ich nahm dieses Jahr zum vierten Mal an JCM teil.

Ich wachse. Mein Horizont erweitert sich. Die Bräuche der Anderen werden mir geläufiger. Meine eigenen spirituellen Bräuche erschließen sich mir neu. In der Abgrenzung zu meinen Freunden und neuen Bekannten verstehe ich mich selbst besser. Jedes Mal wird die Begegnung mit den Anderen und mit mir selbst intensiver.

Aus meiner Sicht steht die internationale und interkulturelle Begegnung im Vordergrund. Zwischenmenschliche Begegnungen, sich in Frieden und Zuversicht, möglicherweise auch mit Skepsis, aufeinander zu bewegen, zeichnen diese Treffen jedes Jahr neu aus.

Mein Zimmer teilte ich dieses Jahr mit zwei angehenden Rabbinern und einem anderen Katholiken. Die Pausen zwischen den Vorträgen, den Gesprächen in Klein- und Großgruppen, den Meditationen oder den Projekten verbrachte ich mit Muslimen und Juden im lockeren Gespräch. Wir lachten viel. – In den frühen Morgenstunden joggte ich mit einer Rabbinerin durch den Wald.

Möglicherweise klingt das nicht ungewöhnlich und hätte ich nur die Namen oder die Alter genannt, wäre das sicher nicht etwas Besonderes. Für mich sind diese Erfahrungen nicht nur besonders, sondern auch wichtig. Ich baue Ängste ab und entwickele meine Fremdenfreundlichkeit.

Während der gesamten Woche diskutierten wir, hörten uns gegenseitig aktiv zu, genossen Stille zusammen, hielten Schwierigkeiten aus und lebten einfach zusammen – Juden, Christen und Muslime.

Ich kenne keinen weiteren Ort, an dem solch ein friedliches, gerechtes Miteinander gepflegt wird, zumal in Deutschland. Es ist wunderbar!

Am stärksten bewegt mich mein Erlebnis des Judentums. Jedes Mal ist es intensiv.

Während ich zunächst schwer zwischen israelischen Juden und Juden anderer Nationalität trennen konnte, habe ich jetzt keine Schwierigkeiten mehr damit. Das habe ich den Begegnungen, während meiner vorangegangenen drei JCM-Teilnahmen zu verdanken.

Es tut gut zu wissen, dass auch Juden intensiv für Frieden beten und sich persönlich und aktiv für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen!

An diesem Schabbat saß ich inmitten von angehenden und “echten” Rabbinerinnen und Rabbinern. Es fühlte sich normal an. Es fühlte sich an, wie bei Freunden.

Wir tauschten Lächeln, Ideen und reichten uns Brot und Saft. Wir prosteten uns zu und sprachen über “Gott und die Welt”. Es war als sollte der Abend niemals enden.

Nach wie vor ist das Friedensgebet am Schabbat das Gebet, dass mich am Stärksten berührt. Dafür kann ich mir keinen besseren Ort vorstellen. In meiner Traurigkeit werde ich nicht alleine gelassen. Es sind Juden und Muslime, die mir Halt geben.

JCM ist eine Gemeinschaft, die aus Menschen besteht, die sowohl in gewachsener Freundschaft zusammenhalten, als auch immer offen für neu hinzukommende Menschen sind. Diese Offenheit gilt insbesondere für offene, suchende Menschen.

JCM ist die leichteste Zeit, gute Menschen kennenzulernen. Genau jene Menschen, nach denen man sich in seinem Alltag sehnt.

Karl Goldstein, römisch-katholisch